Die Zukunft ist bunt

Sie ist nicht schwarz oder weiß und erst recht nicht braun. Dies bezieht sich nicht nur auf den Migrationshintergrund vieler Bürgerinnen und Bürger, sondern auf uns alle. Es gibt nicht mehr nur das eine Lebensmodell, das für alle zutreffen soll, sondern es gibt sehr viele, und dies muss von Politik und Gesellschaft akzeptiert werden. Wer den staatlichen Schutz nur einem Lebensmodell (wie der heterosexuellen Ehe) zuerkennen will und anderen Lebensentwürfen Rechte verweigert, kommt  seiner Verantwortung nicht nach und gefährdet den gesellschaftlichen Konsens.

Menschenrechte gelten für alle - unabhängig von ihrer sozialen Stellung, ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft und auch ihrer sexuellen Orientierung! Gerade nicht normativ heterosexuelle Menschen wissen das.

Es ist noch nicht lange her, als es noch die Repression des § 175 gab. Die Verurteilten warten heute immer noch auf eine Wiedergutmachung. Lange Zeit konnten sich Schwule und Lesben nicht öffentlich zu ihren Partnern bekennen.

Homosexuellen Menschen wird immer noch unterstellt, sie könnten als Paar keine Kinder großziehen. Küssende Liebespaare sieht man oft, aber was für ein Aufsehen, wenn es zwei Männer oder zwei Frauen sind, die sich öffentlich küssen. Dies stößt zuweilen noch auf aggressive Ablehnung und sogar Gewalt. „Schwul“ ist immer noch eines der meist gebräuchlichsten Schimpfwörter, und das nicht nur auf deutschen Schulhöfen.

Es ist ein Unding, dass Baden-Württemberg heute das einzige Bundesland ist, in dem nicht geregelt ist, dass Verpartnerungen generell auf dem Standesamt geschlossen werden. Selbst in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg gibt es Stadtteile, in denen man seine Liebe nicht zeigen kann, ohne mit Beleidigungen oder Schlimmerem zu rechnen.

Wir brauchen eine Gesellschaft der Toleranz und des gegenseitigen Respekts, damit die Ängste vor dem Anderen und dem Anderssein unser Verhalten nicht beherrschen.

Eine Gesellschaft benötigt Vielfalt, um sich zu entwickeln. Diese Vielfalt bringt Vorteile für die ganze Stadt, für die Wirtschaft, für ihre Kultur, für ihre Menschen! Vieles wurde schon erreicht, doch es gibt noch Einiges zu tun.

Jede Bürgerin und jeder Bürger sei hiermit aufgerufen, klar Position zu beziehen. Das 21. Jahrhundert ist da, lassen Sie es uns auch leben!

Es gibt Chancen für die Zukunft. Die Zukunft ist bunt.

Harald Blaull, Alexander Hendorf und Uwe Hörner,
Vorstand des CSD Rhein-Neckar

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