Grußworte Wolfgang ErichsonLiebe schwule Freunde!
Liebe lesbische Freundinnen!
Liebe Heteros!
Seit 1969 als Homosexuelle erstmals offen auf der New Yorker Christopher Street Widerstand gegen Polizeiwillkür, Diskriminierung und Ausgrenzung geleistet haben ist viel erreicht worden. Auch heute - 40 Jahre später - dürfen wir nicht lockerlassen für unsere Rechte zu kämpfen.
Denn trotz Gleichbehandlungsgesetz und eingetragener Lebenspartnerschaft werden immer noch in einer auf den ersten Blick toleranten Gesellschaft täglich Menschen aufgrund ihrer Sexualität diskriminiert. Deshalb ist es wichtig, dass wir gemeinsam weiterhin auf die Straße gehen und für unsere Rechte eintreten.
Wir müssen uns mit aller Kraft weiter für eine rechtliche Gleichstellung einsetzen. Diskriminierungen aller Art dürfen wir nicht nur nicht hinnehmen, nein, wir müssen ihnen aktiv entgegentreten. Und deshalb ist der CSD besonders im Süden unserer Republik immer noch so wichtig. Deshalb ist es wichtig, dass Lesben und Schwule Gesicht zeigen.
Gerade in Baden- Württemberg fehlt es immer noch an Respekt und Anerkennung.
Hier sind im Alltag die Vorurteile immer noch verbreitet und die Barrieren in den Köpfen noch lange nicht überwunden. Zu einem Klima des Respekts gehört nämlich auch endlich zu akzeptieren, dass unsere Gesetzgebung gleiches Recht für alle garantiert. Daher dürfen wir nicht lockerlassen, die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften einzufordern.
FAMILIE IST MEHR ! ?
Ich streite auch in meiner Funktion als Bürgermeister der Stadt Heidelberg dafür, dass verbleibende ungerechte rechtliche Benachteiligungen für gleichgeschlechtliche Verantwortungsgemeinschaften fallen. Deshalb habe ich - wie hunderte andere Männer und Frauen - meinen Arbeitgeber verklagt, weil er sich weigert, mich genauso zu bezahlen wie meine heterosexuellen verheirateten Kolleginnen und Kollegen.
Obwohl ein Bundesgesetz endlich das "Standesamt für alle" vorsieht, stellt das Land Baden - Württemberg als einziges Bundesland neben Thüringen ( dank CDU und FDP im Landtag ) es den Landkreisen immer noch frei, das Lebenspartnerschaften nicht im Standesamt sondern im Landratsamt geschlossen werden.
Zum Glück haben sich viele Kommunen - wie auch Heidelberg, Ludwigshafen und Mannheim - entschieden natürlich im Standesamt zu trauen. Aber im Rest von Baden -Württemberg gilt in der Regel weiter, das gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften in Sitzungsräumen und Büros der Landratsämter geschlossen werden müssen, die keinem heterosexuellen Paar zugemutet werden würden.
Auch in Baden - Württemberg muss endlich gelten:
Jede Partnerschaft ist gleich viel wert und es gibt keine Zwei-Klassen-Behandlung auch nicht bei der Zeremonie. Alle Lebensgemeinschaften und Formen der Familie sind gleich wertvoll, in denen Menschen für Menschen Verantwortung übernehmen.
Damit das Wirklichkeit wird, brauchen wir mehr Toleranz in unserer Gesellschaft und eine vollständige rechtliche Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft.
Dafür mache ich mich ganz persönlich stark.
Ich wünsche uns allen eine gute Zeit, viel Spaß, interessante Begegnungen und alles Liebe.
Euer
Wolfgang Erichson
Seit 2007 ist Wolfgang Erichson (Bündnis 90 / Grüne) der erste offen schwul lebende Bürgermeister einer Stadt in Baden Württemberg.
Er wurde 1955 in Berlin geboren Studium und nach seinem Studium an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, Berlin machte er seinen Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt.
Neben diversen Tätigkeiten in der Berliner Kommunalverwaltung war er von 1984 - 1989 Parlamentsreferent des Berliner Gesundheits- und Sozialsenator Ulf Fink bevor er im ersten rot - grünen Senat (1989/90) in gleicher Funktion für die grüne Schulsenatorin Sybille Volkholz tätig war.
1991 wechselte er als Büroleiter von Senator Dr. Luther wieder zurück in die Berliner Gesundheits- und Sozialverwaltung. Dort war er von 1998 - 2001 Verwaltungsleiter des Landesprüfungsamtes für Gesundheitsberufe und danach bis 2003 Leiter der zentralen Stelle für Asylbewerber des Landes Berlin.
Nach einer Weiterbildung zum Projektmanager wurde Wolfgang Erichson vom Heidelberger Gemeinderat zum Bürgermeister gewählt und trat am 10. September 2007 sein Amt als Dezernent für Integration, Chancengleichheit und Bürgerdienste an.
Wolfgang Erichson, der in Berlin Projekte wie die AIDS - Hilfe und Mann - O- Meter mit gegründet hat, sieht als sein vorrangiges Ziel die tagtägliche Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen und so zu bekämpfen.
Als Leiter des Standesamts in Heidelberg hat er die Gebühren für gleichgeschlechtliche Partnerschaften auf das Niveau der Eheschließungen gesenkt. Die Partnerschaften werden im historischen Standesamt oder auf Wunsch auf dem Schloss durchgeführt und Wolfgang Erichson selbst nimmt auf Wunsch die die Trauungen auch selbst vor. So kann er deutlich zeigen, was auch in Baden - Württembergs möglich wäre, wenn es nur politisch gewollt wäre.
Im letzten Jahr hat Wolfgang Erichson nicht davor zurückgeschreckt seine eigene Kommune zu verklagen, als diese ihn bei der Bezahlung gegenüber seinen heterosexuellen Kollegen diskriminiert hat. " Nur ich wenn ich selber aktiv gegen Diskriminierung kämpfe kann ich andere ermutigen, ebenfalls für ihre Rechte aktiv einzutreten" so Erichson.
Wolfgang Erichson ist seit 2009 zum zweiten Mal verpartnert und lebt mit seinem Mann in Ortenberg (Baden).

Weitere Informationen zu Wolfgang Erichson finden sich auf folgenden Webseiten: